Freundschaft {Short Stories #2}

Vor einiger Zeit bin ich über dreivierfünf Ecken auf den Blog was eigenes von der bezaubernden Bine gestoßen und hängen geblieben. Bine macht nicht nur ganz tolles Zeug, nein, sie hält andere auch dazu an, selbst aktiv zu werden. So hat sie dieses Jahr die Short Stories ins Leben gerufen - jeden Monat wird ein neues Thema aus dem Hut gezaubert, wozu sich jeder äußern kann, der Lust darauf hat - oder eben nicht. 
Und da heute so ein langsam vor sich hinplätschernder Samstagnachmittag ist, dachte ich mir, ich steige auch mal ein - denn im Februar dreht sich alles um das Thema Freundschaft und dazu hab ich einiges zu sagen!



Ich bin ein sehr redseliger und offener Mensch - mit anderen Worten: ich lerne wahnsinnig schnell neue Leute kennen. Daraus entwickelt sich natürlich auch die ein oder andere Freundschaft - und genau darum soll es hier gehen jetzt gehen.

Zu aller erst kommen allerdings ein paar Eingeständnisse, denn ehrlich währt am längsten. 
Ich gestehe, dass ich keine gute Fernfreundin bin. Man sagt immer, dass Entfernungen ja keine so große Rolle spielen, aber das tun sie. Meine beste Freundin zog noch während der Schulzeit nach Hamburg - und wir waren von dem einen auf den anderen Tag 396 Kilometer getrennt. Das waren für jeden Tag des Jahres ein Kilometer plus noch mal ein extra Monat oben drauf! Jeder erlebt nun neue Dinge alleine, lernt andere Leute (besser) kennen - und es heißt zwar, dass es doch umso schöner ist, wenn man diese neuen Erfahrungen dann miteinander teilen kann - aber viel zu oft reißt einen das dann aus einander. Man lebt eben nicht mehr in einer gemeinsamen, sondern in zwei verschiedenen Welten. Der Kontakt wird irgendwann weniger, man denkt sich "Ach ich melde mich nächste Woche!" - und irgendwann hat man den Faden verloren - den Anschluss - und dann fällt es schwer, ihn wieder aufzunehmen. Was nicht bedeutet, dass wir uns nicht immer noch wichtig sind, dass wir nicht immer noch wunderbare Erinnerungen teilen und nicht immer noch an uns denken. 
Natürlich weiß man, dass eine Freundschaft auch 'Arbeit' macht und viel Offenheit und Ehrlichkeit verlangt - aber ich finde, wie in jeder guten Beziehung sollte man auch bei Freundschaften so ehrlich sein, dass man sich eingesteht, wenn es (gerade) einfach nicht mehr so geht wie es ging und gehen sollte - ohne Schuldzuweisungen. Und man sollte nicht auf Teufel komm raus alles erzwingen. Manchmal sieht man sich nach so vielen kontaktlosen Monaten wieder und kann nahtlos anknüpfen und neue Erinnerungen schaffen. Und ich glaube und hoffe, dass sie das noch genauso sieht.  


So - genug mit diesem Schwermut ;)



Ich glaube, jeder von uns hat mehrere Freundeskreise - das ist ja auch vollkommen normal. 

Der engste und schönste und tollste Freundeskreis, den ich habe, sind die Freunde, die noch aus der Schulzeit 'übrig' geblieben sind ;) Wir waren alle (bis zur Oberstufe) in einer Klasse und wenn man bedenkt, dass unser erster gemeinsamer Schultag schon fast elf Jahre zurück liegt, ist es eine schöne Leistung, dass wir uns immer noch riechen können ;) Ich gestehe, dass meine Freunde (neben meiner Familie) der schönste Grund war, wieder nach Leipzig zu ziehen. Egal, wo wir alle in den letzten Jahren gelandet sind, hier finden wir wieder zusammen!



Den größten Platz in meinem Herzen haben dabei eindeutig Frau J. und Frau K. - über die ihr auch schon hier lesen durftet, denn wir haben gemeinsam Barcelona und Prag unsicher gemacht!

Das Studium hat uns in drei verschiedene Städte verschlagen (gehabt) - und es war ganz schön schwer, zwischen Berlin, Erfurt und (ehemals) Chemnitz zu koordinieren, aber wenn wir uns dann endlich wieder in Leipzig in die Arme fallen konnten, war und ist es immer noch das allerschönste!

Ich glaube, Freundschaften funktionieren am besten, wenn man sich gegenseitig ergänzt. Frau J. ist das Organisatonstalent und von Frau K.s Gelassenheit würden wir uns gerne immer mal wieder eine Scheibe abschneiden - nur stelle ich gerade mit Erschrecken fest, dass ich gar nicht weiß, was ich zum Trio beisteuere  (vielleicht das Essen?) - hoffentlich liest das keine der beiden ;)




Von einigen Freunden, die ich im Laufe der letzten drei Jahre sehr lieb gewonnen habe, musste ich durch den Umzug bedingt Abschied nehmen (ihr wisst ja.. Fernfreundin), aber wir haben es bis jetzt zumindest für 2 'Speed Meetings' geschafft, uns für wenigstens ein paar halbe Stündchen, wieder zu sehen! Zu den schönsten Freundschaften der letzten Jahre gehören dabei eindeutig die Hälfte meines Spanischkurses sowie das liebste Fräulein M., welches nun in Dresden weilt!


Was mich besonders freut und mit super Energie ins neue Jahr hat starten lassen, sind die tollen Mädels, die ich durch mein Masterstudium habe kennen lernen dürfen. Zuerst war ich ein wenig skeptisch - nicht, ob ich überhaupt Freunde finden würde, da bin ich viel zu kommunikativ für - aber ob sich wirklich schöne Freundschaften daraus entwickeln, da ich ja pendele und somit (fast) nur zu Unizeiten anwesend bin. Aber es geht und es geht sogar sehr gut - ich mag meine MUKschekiebchen (oh ja.. wir ich geben uns sogar Namen.. tolle Kombi aus dem Sächsischem Motschekiebchen und unserem Studiengang) und glaube hoffe denke, sie mögen mich auch. Zumindest den Kuchen, den ich mitbringe. Und mit Kuchen kann man sich ja auch Liebe und Freundschaft erkaufen! ;)



Was ist nun also Freundschaft für mich?

Freundschaft ist wandelbar.. und das ist gut so!
Freunde können einen genauso hoch werfen, wie tief sie einen wieder auffangen werden.
Freundschaft ist kein Zwang, kein Muss und keine Abhängigkeit - aber dafür Wohlfühlen, Vorfreude und manchmal auch Sehnsucht.
Freunde können manchmal echte Hornochsen sein - aber meistens sind sie die tollsten Menschn, die ihr finden werdet!
Freunde müssen nicht unbedingt eure Marotten teilen - aber sie werden von euch nicht verlangen, sie abzutun.
Und Freundschaft hält vielleicht nicht ewig, aber die Zeit, die ihr zusammen verbringt, die Erinnerungen, die ihr schafft - die schon!


Jeden, den ich auf dem bis jetzt fast 22 Jahre andauernden Weg unterwegs verloren haben: seid nicht böse, ich wette, meinen Platz haben wunderbare andere Menschen eingenommen! Und alle, die immer noch um mich herumschwirren: danke, dass ihr da seid und mich da sein lasst. Denn ich glaube, ohne euch wäre ich ganz schön aufgeschmissen!



Puh das war viel Text und Gefühlsgedöns - aber das musste ich alles mal loswerden! Ich hoffe, ihr habt einen schönen Samstag gehabt und freut euch auf einen noch besseren Sonntag!
Lasst es euch gut gehen!