Erlebnisse vom Flohmarkt

Heute gibt es kein Rezept - nein - heute möchte ich einmal ein bisschen über meine Flohmarktbesuche der letzten Jahre erzählen, euch die einzelnen Märkte kurz näher vorstellen und meine persönlichen Erfahrungen auf den Leipziger Flohmärkten schildern.
Gleich zu Beginn: da der Post relativ spontan entstanden ist (und ich meine Kamera nie mit auf den Markt nehme) habe ich leider keine Bilder der einzelnen Märkte, sondern zeige euch nur meine jeweilige Ausbeute und schreibe euch auf, wie ihr hinkommt, um euch selbst ein Bild zu machen!




Antik- und Trödelmarkt AGRA Messegelände
Der erste Flohmarkt, den ich euch vorstellen möchte, ist zugleich der am regelmäßigsten stattfindenste (und ich glaube sogar der größte in Leipzig). Edit: Der Nachtflohmarkt weiter unten findet (zumindest erstmal bis Mai) ebenfalls regelmäßig statt! 
An jedem letzten Wochenende des Monats finden sich ganzjährig auf dem AGRA Messegelände vor allem die Antikhändler zusammen, um ihre schönen (und leider meist viel zu teuren) Waren anzupreisen und unter den Mann zu bringen.
Der Flohmarkt findet sowohl auf den großen Freiflächen des Geländes (auf dem ich übrigens auch schon meinen Abiball feierte) als auch in zwei (mehr oder minder beheizten) Messehallen statt - Sommer wie Winter.

Wie der Name schon sagt, werden hier vor allem Antiquitäten gehandelt. Die Stände, an denen wirklich Leute ihr Kleinzeug loswerden wollen, gibt es hier eher selten - was nicht heißt, dass man nicht auch ein Schnäppchen machen kann. Allerdings sollte man sich nicht zu sehr in die ausgestellten Möbel vergucken.. da lohnt sich manchmal wirklich eher der Neukauf!

Angeboten wird alles - und damit meine ich wirklich alles! Über Fahrräder (alt und neu), Retrokinderwagen, große Küchen- und winzige Nachtschränke, Schmuck, Waffen (urgs), Instrumente, Krimskrams, Geschirr, noch mehr Geschirr, Tische, Stühle, Unterhaltungselektronik, DVDs, Spielwaren, Kleidung, alte Schulmaterialen... ihr seht schon, ich könnte ewig so weiter machen!



Schöne Dinge
Herr J. und ich haben seit einiger Zeit einen Lieblingsstand, welchen wir meist als erstes aufsuchen - in Halle 1 verkauft nämlich ein etwas schrulliger Herr alte Schulkarten sowie Zubehör aus dem Chemie- und Physikunterricht. Da der Herr aber um den Wert seiner Schätze bescheid weiß und die Karten nicht mal eben vom Dachboden geholt hat, ist hier Handeln angesagt (wie sonst natürlich auch!).



Die Karte im Hintergrund sowie die Reagenzgläser sind von eben jenem Herrn. Das Monstrum im Vordergrund ist ein altes Waffeleisen, was nach mehrmaligen Versuchen nun doch nur als Deko bei mir steht - aber glücklich bin ich trotzdem, es hat schon was uriges ;) Die Pfanne mit den Aussparungen und die kleine Schüssel kennt ihr ja schon zur Genüge - aber meine schönen Kunstdrucke und über mehrere Besuche zusammen gesammelten, zueinander passenden Bestecke sicherlich noch nicht!

Karte + Reagenzgläser: 15 Euro

Waffeleisen: 5 Euro

Schüssel: 1 Euro

Pfanne: -

Kunstdrucke: 5 Euro

Bestecke: 2 Euro


Die alten Koffer sind auch so ein Faible von mir - aber leider liegen gerade die richtig schönen meist über meinem Budget. Da ich nicht mit ihnen verreisen will, schaue ich oftmals, ob vielleicht die Schnallen eine kleine Macke haben, da kann man dann noch schnell 2-3 Euro rausschlagen.

Oberer Koffer: 10 Euro

unterer Koffer: 8 Euro


Ihr fragt euch sicherlich, was ich mit den Koffern anstelle, wenn ich nicht mit ihnen reise? Nun ja - der obere wurde mittlerweile von meinen Katzen in Beschlag genommen ;) Ausgestattet mit Kissen und einer flauschigen Decke lässt es sich dort wunderbar drin liegen!


Nicht so schöne Dinge
Manchmal trifft man leider auf Händler, bei denen man die Freundlichkeit und vor allem preisliche Logik mit der Lupe suchen muss. Auf dem Agra Flohmarkt ist mir dies jetzt schon 2x im Ärgsten passiert, ich gehe jetzt allerdings nur einmal ins Detail. An besagtem Tag hatte ich eine Kiste mit hunderten von kleinen Schlüsseln entdeckt, welche auch einzeln gekauft werden konnten. Knapp zehn Minuten kramte ich mich durch die Kiste um nach den drei schönsten zu suchen. Die Schlüssel waren so lang wie das letzte Glied meines kleinen Fingers - und jetzt ratet mal, was der Herr am Stand dafür wollte? 12 Euro! 4 Euro pro Schlüssel. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Ich hab Herrn J. völlig entgeistert angeschaut und gefragt, ob er das auch verstanden hat - und die Kiste mit all den Schlüsseln demzufolge ja tausende Euro wert wäre. Er meinte nur, ich solle noch mal nachfragen, vielleicht ließe sich ja handeln. Aber nicht mit dem Typen. Der meinte nur, ich solle bezahlen oder gehen. Kein freundliches Wort, kein gar nichts. Die Szene haben sogar ein paar vorbeigehende Besucher mitbekommen und nur verständnislos den Kopf geschüttelt. Ich hab die Schlüssel zurück in die Kiste gepfeffert und meide den Typ seitdem konsequent!

Sonstiges
Der Agra Flohmarkt bietet mehrere Essstände, an denen man sich den Bauch vollschlagen kann, wenn man während seiner Streifzüge dann noch mal Hunger bekommt. Draußen gibt es zum Beispiel die typische Bratwurst oder das Handbrot, drinnen geht es dann weiter mit den deftigen Sachen wie Sauerkraut und Co.
Anreisen kann man entweder mit dem Auto oder per Straßenbahn Linie 11 / 11E bis Dölitz Straßenbahnhof - die Haltestelle liegt genau vor dem Eingang des Geländes.

Der Eintritt zum ganzen Gelände ist frei, lediglich eine Parkgebühr für die Autofahrer wird erhoben.

Nächste Termine: 25.01. , 22.02., 29.03.



(Nacht-) Flohmarkt Kohlrabizirkus
Gegen 15 Uhr startet einmal im Monat in der Halle des Kohlrabizirkus' der Nachtflohmarkt. Für 2 Euro Eintritt kann man durch die riesige Halle (die in ihrer Form von außen immer wieder gerne an.. nunja.. Brüste.. erinnert ;)) schlendern. Hier findet sich (anders als auf der Agra) tatsächlicher Trödel und weniger überteurte Antiquitäten. Dafür scheint die Auswahl auf den ersten Blick nicht so groß (die Halle kommt von der Größe ja auch nur an ca. 1/3 des ersten Flohmarktes heran) - auf den zweiten Blick findet man dann aber doch sehr viel, was gerne mit nach Hause kommen darf!

Leider wird die Halle zum Flohmarkt nicht beheizt und mir persönlich wurde auch wegen der Luft ein wenig schummrig, so dass wir zwischendurch kurz eine Pause draußen machen mussten (man bekommt einen Stempel und kann somit immer mal wieder rein und raus wandern!)
Der Veranstalter ist übrigens der gleiche, der auch die Nachtflohmärkte in Chemnitz (Magdeburg, Cottbus, Riesa, Löbau und Hof) organisiert!



Schöne Dinge
Mensch gibt es hier viel tolles Geschirr! Herr J. musste mich mehr als einmal von Sachen loseisen, die ich sonst sicherlich gekauft hätte. "Natürlich brauchen wir die 9327403. kleine Schüssel - unbedingt!" 








In die beiden Teller, die ihr im Vordergrund seht, habe ich mich sofort verliebt - ich denke, ihr wisst, warum ;) Auch bei der Teekanne und Servierplatte im Hintergrund konnte ich nicht nein sagen, gerade weil ich bei der Teekanne noch mal ein wenig feilschen konnte (der Henkel war wohl schon einmal gesprungen und deswegen nur geklebt). Bei den beiden Schüsselchen habe ich so lange gequengelt, bis Herr J. aufgegeben hat (schließlich brauche ich sie ja un-be-dingt!) und ihr könnt auch noch eine Ecke des schönen großen Tellers mit Blumenmuster ergattern, welcher in einer Ramschkiste vor sich hinschlummerte!

Beide Teller vorne zusammen: 3 EuroBlumenteller: 30 Cent

Beide Schüsseln zusammen: 3 Euro

Servierplatte: 1 Euro

Teekanne: 5 Euro


Nicht so schöne Dinge
Wie auch in Chemnitz sind die Gänge zwischen den Ständen sehr schmal - und die Leute haben manchmal wirklich keine Augen im Kopf. Latschen von links nach rechts ohne zu gucken, bleiben in der Mitte einfach stehen oder grölen dir ins Ohr, weil irgendwo vorne links die Gabi steht! GABIIIIIIII!!!

Nun gut, dass kann man dem Flohmarkt natürlich nicht vorhalten - allerdings waren in den hinteren Teilen der Halle noch so viele Plätze frei, dass man die Gänge ruhig breiter hätte gestalten können. Vielleicht fürs nächste Mal.

Sonstiges
Für das leibliche Wohl sorgen diesmal ein Bratwurs- und Kräppelchenstand draußen und ein weiterer Essstand drinnen (der wohl Wiener und Co. verkauft). Außerdem bauen Obst- und Gemüsehändler ihre Stände vor der Flohmarkthalle auf, so dass man dann auch noch dort ein Schnäppchen schlagen kann, bevor es wieder nach Hause geht!

Anreisen kann man hier mit der Straßenbahn Linie 16 bis zu den Tierkliniken oder bis zur Deutschen Nationalbibliothek. Von beiden Haltestellen aus ist es dann noch ein kleiner Fußmarsch. Für Autos werden ebenfalls Parkplätze angeboten, allerdings weiß ich hier nicht, wie hoch die Gebühren dafür sind.

Kinder bis 12 kommen kostenlos rein, alle anderen zahlen 2 Euro - oder wenn ihr erst gegen 22 Uhr aufschlagt, könnt ihr auch noch mal eine Stunde umsonst trödeln!

Nächste Termine: 15.02., 15.03., 12.04.


Feinkost Flohmarkt
Ganz anders als die ersten beiden Flohmärkte ist für mich der Feinkost Flohmarkt direkt auf der geliebten Karli. Hier komme ich weniger zum Kaufen und mehr zum Stöbern, Staunen, Unterhalten und Entdecken her. Gerade im Sommer ist die Atmosphäre einfach wunderbar, die Leute gelassen und man wird eben nicht von einem zum nächsten Stand geschoben, sondern kann in aller Ruhe alles betrachten. Natürlich ist die Auswahl nicht riesig, aber wer gerade in Richtung Kinderausstattung sucht, wird hier schnell fündig!

Schöne Dinge
Getrocknete Kräuter aus dem heimischen Garten oder tolle Retrosessel von Omi und Opi.. da kann man schon mal schwach werden!

Nicht so schöne Dinge
Leider wird die Karli seit Anfang des Jahres renoviert und wie es aussieht, wird gerade vor der Feinkost der Fußweg um einiges eingekürzt. Wo sonst auch noch Stände des Flohmarkts standen wird in Zukunft wohl nur noch Fußweg sein.. sehr schade.

Sonstiges
Hinkommen könnt ihr hier mit den Linien 10 und 11/11E bis zum Südplatz -aber am besten nehmt ihr euch die Zeit und lauft einfach die Karli entlang - hier gibt es so viele schöne Sachen zu entdecken!

Außerdem wichtig: einen Blick auf die Löffelfamilie neben dem Gelände werfen, die ist nämlich schon seit über 20 Jahren Kulturdenkmal und Maskottchen der Feinkost.

Der Eintritt zum Flohmarkt ist frei.

Nächste Termine: 01.03., 05.04., 03.05.


Weitere Flohmärkte

Natürlich bietet Leipzig noch viel mehr Flohmärkte, welche ich allerdings noch nicht alle abgearbeitet habe.

Als nächstes steht bei mir ein Besuch des Nachtflohmarkts der Distillery sowie ein Abstecher zum Flohmarkt auf dem Alten Messegelände auf dem Plan. Den Ilses Erika Flohmarkt habe ich vor einigen Jahren schon einmal besucht, meine Erinnerungen reichen allerdings nicht mehr für einen ausführlichen Bericht - also muss ich da auch noch mal hin!

Die Termine für die anderen Flohmärkte in Leipzig findet ihr hier.




Tipps & Tricks
Abschließend will ich euch noch mal ein paar Ratschläge mit auf den Weg geben (das meiste wird euch sicherlich bekannt vorkommen, aber vielleicht ist das ein oder andere dabei, was euch weiterhelfen kann!)

1) Nehmt einen großen Beutel mit. Einige Stände geben euch eure gekaufte Ware in einem Plastebeutel mit auf den Weg, die meisten drücken sie euch einfach nur in die Hand. Deswegen ist es wichtig, selbst was dabei zu haben, um alles gut zu transportieren. Für Geschirr lohnt sich dabei auch noch eine alte Zeitung im Rücksack ;)

2) Kommt entweder zeitig - oder sehr spät! Ok, hier mal ein paar ehrliche Worte: Wer schafft es schon, an einem Samstagmorgen 9 Uhr auf dem Flohmarkt zu stehen? Dieser Tipp richtet sich mehr auf die Nachtflohmärkte. Ihr müsst natürlich nicht punkt genau zur Toröffnung davor stehen, aber wenn ihr es schafft, gegen Ende der ersten Stunde einzutreffen, ist der erste Schwall vorbei, das meiste 'gute Zeug' aber noch nicht verkauft, da sich alle erstmal einen Überblick verschaffen wollen.
Genauso könntet ihr aber Glück haben, dass die Händler ihre Sachen gegen Ende der Ausstellungszeit für einen Bruchteil des eigentlichen Preises an den Mann bringen wollen - deswegen lohnt es sich, auch noch mal spät abends dem Markt einen Besuch abzustatten!

3) Schaut nach unten! Ich werfe bei den Ständen immer zuerst einen Blick in die Ramschkisten, die meist unter dem Tisch oder daneben stehen. Alles, was auf den Tischen liegt sind meist die teureren Sachen, die ihr euch (meistens) eh nicht leisten könnt / wollt / sollt. Aber gerade in den Wühl- oder 1-Euro-Kisten finden sich tolle Sachen für wenig Geld! 

4) Scheut euch nicht, zu feilschen! Na klar, die Händler dort sind auch nur Menschen und wollen eben Geld verdienen - aber es gibt trotzdem ein paar Möglichkeiten, noch etwas am Preis zu machen.

Meine Tipps hierfür:

Werdet euch, bevor ihr nach dem Preis fragt, darüber klar, wie viel ihr bereit seid, dafür auszugeben.

Sagen wir mal, ihr seht einen tollen Koffer und denkt euch "Für 10 Euro nehm' ich den!" danach fragt ihr nach dem Preis -  "12 Euro!". Nun könntet ihr entweder sagen 'Ach sche*ß auf die 2 Euro, der ist so toll, den nehm ich' ODER ihr handelt ein wenig. 

Wichtig ist hierbei: Nennt einen Preis, der (weit) unter dem liegt, was ihr bereit seid, auszugeben.

Hat der Händler auch Lust zu feilschen, wird er euch beim Preis entgegen kommen. 

Ihr sagt also zum Beispiel "Können wir auch 8 machen?"

Dann kommen entweder die typischen Sprüche wie "8 Euro!? Wie soll ich denn davon satt werden / Der Koffer ist viel mehr wert / Ne, 8 Euro geht gar nicht!" ODER ihr habt schon so den supermegatollen Verkäufer erwischt, der euch das Ding für 8 hinterher schmeißt.

Wenn ihr nun 10 anbietet, beißen die meisten Verkäufer an - und ihr habt 2 Euro gespart und einen schicken Koffer (natürlich sind 2 Euro nicht viel, aber Kleinvieh macht auch Mist!).



Eine weitere 'Strategie' beim Punkt Feilschen ist es, sich mehrere Dinge auszusuchen und so den Gesamtpreis etwas zu drücken. Wir haben zum Beispiel mal zwei Schulkarten, die alleine 10 Euro pro Stück gekostet hätten, zusammen für 14 Euro bekommen. Das funktioniert meistens auch bei den 1 Euro-Kisten. Ihr nehmt zum Beispiel 5 Artikel, die euch gefallen und fragt, ob ihr euch auf 4 statt 5 Euro einigen könnt - ein Artikel umsonst!

Ganz wichtig ist hierbei aber: Bitte feilscht nicht um jeden Preis. Wenn ihr einen einzigen Artikel kaufen wollt, der wirklich nur einen Euro kostet und der im tadellosen Zustand ist - dann zahlt den Euro und versucht nicht, das Zeug noch auf 50 Cent oder weniger runterzuhandeln. Das ist Korinthenkackerei! 

5) Immer schön freundlich bleiben! Zwar sind viele der Anbieter auf Flohmärkten schon Profis, aber es gibt eben auch noch die Normalos, die nicht so viel Erfahrung im Verkauf haben. Egal, wer euch begegnet: bleibt freundlich, macht (zumindest keine lauten) Witze über die Auslage und sagt auch ehrlich, wenn euch etwas zu teuer ist, um es zu kaufen - mit einem Lächeln kommt man überall weit!



Puhhh war das viel Text!
Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig Informationen liefern - und vielleicht nehme ich beim nächsten Mal auch meine Kamera mit und mache ein paar Bilder von der eigentlichen Location!

Wie ist das bei euch? Geht ihr öfters mal auf den Flohmarkt oder ist das noch Neuland für euch?
Habt ihr schon den ein oder anderen Schatz nach Hause tragen dürfen oder habt ihr euch mal mit einem Verkäufer wegen unmöglicher Preise in die Wolle bekommen?


Egal, ob eure Flohmarktassoziationen gut oder schlecht sind - ich hoffe, euer nächster Besuch wird grandios und wünsche euch schon mal ein tolles Wochenende!


PS: Morgen ist wieder Flohmarkt ;)